SZ 09.02.2026
18:21 Uhr

(+) Schimmel in Wohnheimen: Studierendenwerk entschuldigt sich – und muss sich vor Minister rechtfertigen


Auf Tausenden Fotos hatten Bewohner Mängel in Wohnheimen dokumentiert. Nun attackieren mehrere Parteien den Betreiber. Ein CSU-Politiker geht dabei am weitesten.

(+) Schimmel in Wohnheimen: Studierendenwerk entschuldigt sich – und muss sich vor Minister rechtfertigen

Wie geht es weiter in der Studentenstadt? Nach der Berichterstattung der SZ in der vergangenen Woche über die Zustände, unter denen die Studierenden dort in der sogenannten Altstadt hausen müssen, hat es zahlreiche Reaktionen gegeben, auch aus der Politik. Anlass waren mehr als 2000 Fotos, die die Studierenden von Schimmel, Schäden und Mängeln gemacht hatten, die in den Häusern 1 bis 7 der Studentenstadt zu finden sind.

Bereits am Mittwoch hatte eine Gruppe Studierender rund um die Studentenstadt-Bewohner Philipp Hörterer und Simon Schaub dem Studierendenwerk, Betreiber der Wohnheime, die komplette Fotodokumentation mit circa 2400 Bildern sowie eine Liste von etwa 900 Schäden und Mängeln überreicht. Hierbei kündigten sie an, vom 1. März an eine Mietminderung durchsetzen zu wollen, sollte das Studierendenwerk (Stuwerk) zeitnah keine Maßnahmen ergreifen, die zu einer raschen Besserung der dortigen Zustände führt.

Mehr als 2000 Fotos, die der SZ vorliegen, zeigen massiven Schimmel in Wohnheimen des Studierendenwerks. Selbst der CSU-Wissenschaftsminister spricht von nicht hinnehmbaren Zuständen.

In der Antwort auf eine SZ-Anfrage an das Studierendenwerk, ob man die Forderung nach Mietminderung als gerechtfertigt empfinde, heißt es, man werde jeden einzelnen Antrag gemäß der rechtlichen Vorgaben prüfen. Gerne sei man bereit, „berechtigten Mietminderungen zu entsprechen“. Allerdings begründe die vorgelegte Mängelliste aus Sicht des Stuwerks „noch keinen Anspruch auf Mietminderung“. Von den Studierenden heißt es, man sei sich der rechtlichen Vorgaben bewusst und würde die Durchsetzung der angekündigten Mietminderung dementsprechend vorbereiten.

Münchens Zweiter Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) besuchte am Freitag die Studentenstadt, um sich vor Ort ein Bild der dortigen Zustände zu machen. „Die Bilder von den verschimmelten Wohnbereichen machen mich fassungslos“, erklärte Krause bereits zuvor in einer offiziellen Mitteilung der Fraktion aus Grünen, Rosa Liste und Volt im Stadtrat. Dies sei „ein inakzeptabler Umgang mit jungen Menschen“. Er habe bereits das Gesundheitsreferat gebeten, die rechtlichen Möglichkeiten zur Durchsetzung einer Instandsetzung durch das Stuwerk zu prüfen. In einem Instagram-Video, das Krause bei seinem Besuch in der Studentenstadt zeigt, appelliert er zudem an die bayerische Staatsregierung: „Handeln Sie jetzt, sonst handelt die Stadt.“ Dem Wissenschaftsministerium unter Markus Blume (CSU) obliegt die Zuständigkeit für die Hochschulen und somit auch für die Studierenden.

Die SPD-Fraktion im Stadtrat sieht ebenfalls dringenden Handlungsbedarf. Die Landeshauptstadt München solle ihre bau- und sicherheitsrechtlichen Befugnisse voll ausschöpfen und die Studierenden schützen, heißt es in einem Antrag. Zudem fordert auch die SPD den sofortigen „Erlass von Instandsetzungsanordnungen – notfalls unter Androhung von Zwangsgeldern“. SPD-Stadtrat Lars Mentrup kritisiert in einer Erklärung die Staatsregierung: „Wer ‚High-Tech-Agenda‘ ruft, darf nicht ‚Bruchbude‘ liefern.“ Die Stadt werde sich das nicht länger anschauen.

Robert Brannekämper, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises für Wissenschaft und Kunst, war bereits am 18. Dezember einer Einladung der Studierenden gefolgt, sich ein Bild von den Zuständen in der Studentenstadt zu machen. Diese habe bei ihm einen „Eindruck der totalen Verwahrlosung“ hinterlassen. „Tristesse, Schimmel und Gleichgültigkeit“ zeigten einen „Zustand, der jedem Verantwortungsgefühl Hohn spricht“, teilte Brannekämper der SZ mit. Vieles spräche dafür, dem Stuwerk die „Verantwortung für die Wohnheime zu entziehen und neue Strukturen zu schaffen“, da fraglich sei, ob das „studentische Wohnen in München in dieser Form überhaupt noch beim Studierendenwerk München Oberbayern gut aufgehoben ist“.

In einem offenen Brief des Arbeitskreises vom 5. Februar an die Geschäftsführerin des Studierendenwerks Claudia Meijering ist ebenfalls vom „Eindruck eines strukturellen Organisationsversagens Ihres Hauses“ die Rede. Das Stuwerk bestätigt auf Anfrage den Erhalt des Briefes. Diesen habe man bereits in Teilen beantwortet. Öffentlich äußern werde man sich hierzu jedoch nicht. SZ-Informationen zufolge hat Wissenschaftsminister Markus Blume Claudia Meijering am Dienstag in den Landtag geladen, um ein Gespräch über die Zustände in der Studentenstadt und die Zukunft derselbigen zu führen. Auf Anfrage der SZ, ob das Studierendenwerk sich vorstellen könne, die Trägerschaft der Studentenstadt abzugeben, heißt es, diese Diskussion „werden wir nicht öffentlich führen“.

Auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Studentenstadt hatten am Freitagabend Nachricht von Stuwerk-Geschäftsführerin Meijering erhalten. In einer Mail, die der SZ vorliegt, heißt es, die „zum Teil auch sehr großen“ Mängel in der Altstadt der Studentenstadt seien „unbestritten“. Hierfür wolle sich Meijering „aufrichtig entschuldigen“, auch „im Namen des gesamten Teams des Studierendenwerks“. Um nun zeitnah handeln zu können, benötige es die Mithilfe der Studierenden zur Erfassung und Priorisierung aller Mängel. Zu früheren Aussagen, dass Schimmel vor allem dem Hygieneverhalten der Studierenden geschuldet sei, rudert das Stuwerk zurück. „Sollte der Eindruck entstanden sein, dass das Studierendenwerk Sie allein verantwortlich macht, so bedauere ich dies sehr und möchte mich auch hierfür ausdrücklich entschuldigen“, schreibt Meijering in der E-Mail.

Die Reaktionen der Studierenden fallen eher verhalten aus. Sie klinge „für uns Bewohnende nicht aufrichtig“, erklärt Philipp Hörterer, sondern eher als ob die Nachricht „unter Zugzwang“ erfolgt sei. Auch die Aussage, dass die vorliegenden Mängel keinen Anspruch auf Mietminderung begründeten, halte man unter den Studierenden für „unglaublich dreist“. Man wolle sich hierzu noch einmal kollektiv äußern.

Ob es in absehbarer Zeit zu einer direkten Aussprache zwischen Bewohnenden und Studierendenwerk kommen wird, ist unklar. Immerhin: Am Montagnachmittag erreichte die Bewohnerinnen und Bewohner der Altstadt der Studentenstadt schließlich eine E-Mail der technischen Verwaltung, die zum Ausräumen aller Gemeinschaftsküchen inklusive der Kühlschränke auffordert. In diesen sollen nun schrittweise bis zum 17. Februar erste Reinigungsarbeiten erfolgen.

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